In einem Interview mit der palästinensischen Tageszeitung Al-Ayam rief der Vorsitzende der Hamas, Khaled Meshal, am Dienstag zur Gründung eines palästinensischen Staates in den Grenzen von 1967 mit Jerusalem als Hauptstadt auf. Zudem forderte er das Rückkehrrecht für die palästinensischen Flüchtlinge. Gefragt wie er zu den israelischen und amerikansichen Anschuldigungen stehe, die Hamas wolle Israel zerstören, sagte Meshal, dass die Hamas einen klaren politischen Plan verfolge, der einen palästinensischen Staat in den Grenzen von 67 zum Ziel habe. Amerikaner, Europäer und andere sollten ihr Verhalten gegenüber der Hamas an deren politischen Wahrheiten ausrichten und nicht entlang bestimmter Vorstellungen, so Meshal.

Meshal wurde auch gefragt, wie es sich mit den israelischen Behauptungen verhalte, er sei nicht länger Anführer der Hamas und hätte die Rolle an den Chef der Al-Qassam Brigaden Ahmad al-Ja’abari verloren. Meshal antwortete, Israels Ansichten verhielten sich wie der Aktienmarkt, mal sei Meshal verantwortlich, mal habe er die Kontrolle verloren: „Ich lache, da sie nichts über Hamas oder unseren Entscheidungsprozess wissen.“

Hamas, so Meshal, sei bereit zu einem vollständigen Waffenstillstand im Westjordanland und im Gazastreifen, während Israel dem nur im Gazastreifen zustimmen wolle. Dem Interview zufolge gibt es geheime Verhandlungen mit Europäern, doch versuche die amerikanische Regierung diese einzudämmen.

Bzgl. eines möglichen Gefangenenaustausches sagte Meshal, dass dieser unabhängig von einem Waffenstillstand zustande kommen könnte, diesbezügliche Verhandlungen bisher aber keine Fortschritte machen. Trotzdem seien Ägypter und einige Europäer weiter in Vermittlungen involviert. Meshal zufolge sei die israelische Weigerung, Gefangene mit lebenslänglicher Haftstrafe freizulassen eine große Hürde.

Meshal berichtete, dass vor zwei Monaten eine Einigung erzielt werden konnte, welche vorsah ca. 350 palästinensische Gefangene in Austausch für Gilad Shalit freizulassen. In weiteren Schritten sollte Israel erst weitere 100 und später zusätzliche 550 Palästinenser freilassen. Allerdings, so Meshal, lehnte Israel die meisten Gefangenen auf der Hamas-Liste, welche auch Marwan Barghouti beinhaltete, ab.