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Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA)

In Übereinstimmung mit grundlegenden Sicherheitsprinzipien der IAEA, definiert die Schweiz Akzeptanz-Kriterien in der Verordnung über Strahlenschutz. Jeden einzigen postulierten Unfall wird nach der geschätzten Häufigkeit des Auftretens kategorisiert. Die Kategorisierung erfolgt in drei Banden von 10-1 bis 10-2, 10-2 bis 10-4 und 10-4 bis 10-6 pro Jahr. Für jede Kategorie (Frequenzband), ein radiologisches öffentliches Dosisgrenzwert muss erfüllt sein, nämlich die Gebrauchsfehlergrenze, jeweils 1 mSv und 100mSv (Sievert). Dies entspricht IAEA NS-G-1.2, Artikel 4,100, der besagt, dass „oft strengere Kriterien angelegt werden für Vorfälle mit einer höheren Auftrittsfrequenz.“

Darüber hinaus verlangt die Verordnung, dass nur „ein paar“ Unfälle des Schweregrads 1mSv/100mSv passieren können, wodurch das Gesamt-(summierte) Risiko durch diese Unfälle limitiert ist (wenn auch nur vage).

Die Verordnung legt auch fest, dass das Regelwerk angemessene Vorkehrungen für Unfälle brauchen wird, die zwar eine Frequenz unterhalb 10-6 pro Jahr haben, aber schwerwiegende Folgen haben könnten.

 

Methode zur Beurteilung, ob Aufnahmekriterien erfüllt sind

Nach dieser Verordnung müssen sowohl deterministische und probabilistische Methoden zur Sicherheitsbewertung verwendet werden. Allerdings, nur deterministische Sicherheitsbewertungen von Auslegungsstörfällen sind in Bezug auf die Bewältigung der globalen Akzeptanzkriterien rechtsverbindlich.

Unfälle mit einer Frequenz von bis zu 10-6 pro Jahr werden als Auslegungsstörfälle gesehen. Unfälle mit einer tieferen Frequenz automatisch als „Unfälle ausserhalb Auslegungsstörfällen“ und werden gänzlich von einer deterministischen Sicherheitsbewertung ausgeschlossen.

 

Zu ergreifende Maßnahmen, wenn Aufnahmekriterien nicht erfüllt sind

In 2008 wurde die Verordnung über Kriterien für die Stilllegung von Atomkraftwerke durch das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation ausgestellt. Die Bewertung muss unverzüglich vorgenommen werden, Ergebnisse müssen der Aufsichtsbehörde unverzüglich mitgeteilt werden, und, wenn die Kriterien nicht erfüllt sind, muss das Atomkraftwerk unverzüglich stillgelegt werden.

 

Probleme mit der Sicherheitsbewertung Schweizer AKWs

Seltsamerweise, im Jahr 2009 definiert die Verordnung über die Gefahren- und Sicherheitsanalysen ausdrücklich, dass Umfälle mit einer Frequenz von 10-4 pro Jahr oder höher als Naturgefahren eingestuft werden müssen. Dies heisst: alle natürlichen Gefahren, die mit Frequenz 10-4 bis 10-6 geschehen, bleiben ungetestet. Da Naturgefahren – vor allem Erdbeben – in der Regel die Herausforderungsliste der Sicherheit der AKWs dominieren, und darüber hinaus wie sich ihre Intensität von 10-4 bis 10-6 drastisch erhöht, ist dieses Versäumnis kaum zu vernachlässigen.

Mühleberg hat eine Bevölkerung von 500’000 Menschen innerhalb seiner 20km Zone. Eine angemessene Gefahrenanalyse sollte sichergestellt sein. Die Akzeptanz Kriterien für eine globale Akzeptanz sind mit der aktuellen Gefahrenanalyse nicht garantiert. Diese Kriterien geben dem Schweizer Volk falsche Sicherheitsversprechen.

In Dezember 2004 hat die ENSI ihre Revision neu definiert. Darin werden einzelne Risiken alleine kalkuliert, als ob nur ein Störfall auf einmal passieren könnte. Aber die Chancen, dass mehrere Störfälle gleichzeitig passieren, werden nicht zusammengezählt.

Nach der Regel „Risiko = Frequenz x Schäden“ wurde das in der Schweiz zulässige Restrisiko um einen Faktor von 10 (Minimum) bis 100 oder mehr erhöht.

Im Gegensatz zu den anderen Schweizer AKWs, Mühleberg nutzt nur die Aare als einziges Kühlkörper (die anderen haben Zugang zu ausreichend Grundwasser). Deshalb ist Zuverlässigkeit der Kühlwasserentnahmestellen in allen Umgebungsbedingungen von größter Bedeutung.

Versuche, mit einem Miniaturmodell des Zuflussrohrs haben offenbar gezeigt, dass die Blockierung der Öffnungen mit Material, das in Hochwasser mobilisiert wird, nicht ausgeschlossen werden kann.

Maßnahmen wurden angekündigt, um das Problem zu lösen. Allerdings, als ENSI die Bewertung der Sicherheit überprüfte, fanden sie heraus, dass bei einem einfachen Ausfall vom Diesel-Generator 090 die Haupt-und Hilfs Wasser-Systeme unwirksam werden. Ausserdem könnten sie nicht ausschließen, dass die Wasserzulaufsstruktur von organischem Material auch durch das Hochwasser blockiert werden könnte. So sind die angekündigten Massnahmen auch nutzlos. Es gibt auch keine Lagerhallen mit vollständiger Erdbebensicherheit vor Ort, wo mobile Pumpen und Treibstoff gelagert werden könnten.

Ehrlich gesagt, wenn Sicherheitsstandards umgangen werden, indem man jede Art von Unfall-Management Ausrüstung als angemessen erklärt um wichtige Sicherheitsfunktionen zu ersetzen, sind Unfälle in alternden AKWs praktisch garantiert.

Ein weiteres wichtiges Schrittchen zum Ausstieg

Auch wenn der Nationalrat Ja zu einem Ausstieg aus der Atomenergie gesagt, die wichtigen Vorstösse von Louis Schelbert (Überprüfung des Informationskonzepts) und Daniel Vischer (Haftungsrisiko) beschlossen haben, hat er zwei Dinge kläglich nicht wissen wollen: Woher Uran kommt und welches Leid in den Abbauländern in Kauf genommen wird. Und zweitens, was mit dem Müll geschehen soll. Gerade die beiden Parteien BDP und CVP, welchen den historischen Sieg für sich beanspruchen wollen, haben da nicht hinschauen wollen.

A propos Beanspruchung des Sieges: Wir wären heute weiter und hätten weniger Probleme, wäre man den Grünen schon früher gefolgt. Es bleibt noch sehr viel Arbeit zu tun und v.a. braucht es weiterhin eine starke Grüne Stimme, um das Ende der Verschwendung vorwärts zu treiben. Da genügt es nicht, bloss AKW irgendwann abzustellen.

Bern und St. Gallen wollen aus der Atomenergie aussteigen

Beide Städte haben am vergangenen Wochenende per Volksabstimmung beschlossen aus der Atomenergie auszusteigen und das terminiert. Ausserdem haben bei Städte beschlossen, in erneuerbare Energie zu investieren. Ich hoffe, die Atomkonzerne hören die wiederholte Message aus der Bevölkerung: Keine neuen AKW’s mehr!

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