Zuerst mal herzlichen Dank an Land-Amme Susanne Hochueli, dass sie transparent macht, wie sich die Gesundheitskosten in den nächsten 13 Jahren entwickeln können!

Lese ich jedoch den Bericht in der Aargauer Zeitung von heute, bin mindestens überrascht. Die Steuereinnahmen nehmen um ca. die Häfte zu (2076 auf 2901 Mio), die Gesundheistkosten verdoppeln sich ungefähr (766 auf 1657 Mio). Allerdings kann durch „geeignete Massnahmen“ eine Steigerung auf lediglich 947 Mio gedrückt werden. Diese Erhöhung wird als „Drohung“ auf der Titelseite empfunden, und Politiker holen gleich zum nächsten Ungemach: Es droht, dass die Steuern erhöht werden müssen. Und es klingt fast so, als wäre dies noch viel gefährlicher. Meine Bemerkungen dazu:

Gesundheit, Bildung und Sicherheit gehören zu den drei wichtigsten staatlichen Aufgaben, insbesondere der Kantone. Diese sollten auch gemäss Verfassung geminschaftlich bewältigt werden.

Gesundheit gilt in unserem Kulturkreis zu einem sehr hohen Gut. Nur ist Gesundheit nicht gleich verteilt. Es gibt Menschen mit einer Konstitution, die alles ungesunde machen und dennoch praktisch nie krank werden. Und es gibt solche, welche sehr gesund leben und dennoch krank werden. Und es gibt solche, die mit einer Beeinträchtigung zur welt kommen. Die Schweiz entgegnete diesen ungleichen Voraussetzungen damit, dass man das Risiko eines Einzelnen durch Beiträge aller zu mindern sucht. So wurde unser legendäres sozialsystem aufgebaut.

Seit den neunziger Jahren scheint dieser Grundsatz immer mehr zu bröckeln. Der private Anteil an den Gesundheitskosten steigt immer mehr an. Heute bezahlen wir einen Drittel selber. Die zahnärztlichen Behandlungen sind seit jeher immer Privatsache gewesen.

Gesundheit macht schrille Schlagzeilen insbesondere mit dem Titel „Kostenexplosion“. Doch beim genaueren Betrachten muss man festellen, das nicht etwa die Kosten pro Leistung explodieren, sondern dass immer mehr Krankheiten und Verletzungen behandelt werden können. In meiner Kindheit waren ältere Menschen mit Stock der Normalfall, heute die grosse Ausnahme. Künstliche Hüftgelenke sind ein Standard. Dies ist nur eines von vielen Beispielen. Die Kosten explodieren also nicht, sondern die Menge der Möglichkeiten wird grösser.

Medizinische Errungenschaften gehören allen. Es darf nicht sein, dass man Therapien jemandem vorenthält. Wer würde den hinstehen und auswählen? Mit welchen Kriterien? Obwohl es heute schon so ist, dass Menschn, die sich nicht äussern können tendenziell weniger erhalten.

Gute Gesundheit ist die Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung aller.

Deshalb darf uns Gesundheit auch etwas kosten, sie ist wert. Und wenn dafür die Steuer erhöht wird? Dann tun wir eben das, was unsere Aufgabe ist: wir steuern diesem Bereich mehr Mittel zu. Wir haben eine Phase des Abbaus von Steuereinnahmen von den Reichsten erlebt, diese Tendenz kann nicht ständig weiter gehen. Es ist legitim, für die Gesundheit auf diese reduktionen zurückzukommen.

Vielleicht darf man ein anderes Ansinnen in der gleichen Zeitung hinterfragen: die Viertelmilliarde für Umfahrungen. weil man ja weiss, dass dies eh nichts bringt und den Stau einfach ein bisschen weiter verschiebt…