Archiv für Februar, 2008

Unabhängigkeit Kosovo’s

Unabhängigkeit: Wie soll Schweiz entscheiden?
Nach der Unabhängigkeitserklärung Kosovos muss der Bundesrat entscheiden, ob die Schweiz die bisherige serbische Provinz als Staat anerkennen soll. Er wird dies erst nach Konsultation der Aussenpolitischen Kommissionen (APK) von Ständerat und Nationalrat tun. Diese werden am Donnerstag und Freitag zu ausserordentlichen Sitzungen zusammenkommen.

«Frage sehr gut überlegen»
Die Schweiz müsse sich in der Frage der Anerkennung von Kosovo sehr vorsichtig verhalten, sagte der Präsident der nationalrätlichen APK, Geri Müller (Grüne/AG). «Ein kleines Land wie die Schweiz, der das Völkerrecht wichtig ist, muss sich diese Frage sehr gut überlegen», sagte Müller, der sich derzeit in Armenien aufhält. Eine einseitige Unabhängigkeitserklärung sei völkerrechtlich gesehen problematisch. Mit einem Ja zur Trennung Kosovos von Serbien würden andere Abtrennungsversuche unterstützt.

Zu beachten sei auch der Hintergrund der Unabhängigkeitserklärung, die von den USA unterstützt worden sei. Kosovo sei für die USA als Militärstützpunkt wichtig. Die Schweiz müsse sich fragen, ob sie als kleines Land, das sich auf die Unparteilichkeit berufe, solche geopolitischen Strategien unterstützen wolle.

Quelle: St. Galler Tagblatt

Geri Müller in der ‘BERNER ZEITUNG’ vom 13.02.2008

Geri Müller hat in der ‘BERNER ZEITUNG’ vom  13.02.2008 ein Interview zur P-9 Ausfuhr im Bezug zum Kriegsmaterialgesetz gegeben.

(Das Interview wurde von  Mischa Aebi geführt)

Mischa Aebi: Herr Müller, warum wollen Sie verbieten, dass die Firma Pilatus zivile Flugzeuge in Kriegsgebiete wie Tschad liefert?

Geri Müller: Weil der Pilatus PC-9 einmal mehr dazu gedient hat, die Zivilbevölkerung zu bombardieren. Die Regierung Deby hat sich nicht das erste Mal an internationale Abmachungen gehalten. PC-9-Flugzeuge sind so konzipiert, dass man an den Flügeln Bomben anhängen kann. Zudem ist das Flugzeug sehr wendig und es ist einfach zu pilotieren. Und es ist überdies viel günstiger als ein echtes Kriegsflugzeug.
MA: Mit der Exporteinschränkung würde man verhindern, dass Länder wie der Tschad zum Beispiel zivile Feuerlöschflugzeuge kaufen können.

GM: Klar, es gibt auch zivile Flugzeuge, welche verstärkte Flügel brauchen. Man kann statt einer Bombe beispielsweise auch Wasserbehälter an den Flügeln anhängen. Aber in jener Zeit, als die Regierung vom Tschad die PC-9-Flugzeuge kaufte, war es nahe liegend, dass sie diese Flugzeuge nicht für die Bekämpfung von Waldbränden brauchte.
MA: Wenn man die PC-9 als Kriegsmaterial deklariert, müsste man konsequenterweise noch ganz andere Güter als Kriegsgüter bezeichnen.

GM: Ja, Selbstverständlich ist das so. Wobei von der PC-9 im Gegensatz zu anderen Gütern erwiesen ist, dass sie über Jahre hinweg in verschiedenen Ländern immer wieder für Kriegseinsätze missbraucht wurde.
MA: Aus Nitratdünger kann beispielsweise jeder Hobbychemiker Sprengstoff herstellen.

GM: Wenn bekannt wäre, dass Regierungen regelmässig Nitratdünger einkaufen, um Munition herzustellen, dann müsste man sich überlegen, solche Produkte auch als Kriegsmaterial zu deklarieren.
MA: Ohne Waffe ist auch eine PC-9 kein Kriegsflugzeug. Warum genügt es nicht, bloss den Waffenexport – Kanonen, Gewehre und Bomben – in Kriegsgebiete zu verhindern?

GM: Wenn man Bürgerkriege nachhaltig verhindern will, muss man alles mögliche unternehmen, dass die Parteien nicht zu Waffen kommen – oder zu irgendwelchen Teilen von Waffen. Es ist ja meistens so, dass die armen Kriegsparteien Waffenteile aus verschiedenen Ländern kaufen und sie dann zusammensetzen.
MA: Und warum reicht es nicht, wenn die Schweiz erst dann Kriegsmateriallieferungen verbietet, wenn die UNO oder die EU ein Rüstungsembargo gegen ein Land ausspricht?

GM: Die Schweiz könnte natürlich mit einem guten Beispiel vorangehen. Die Schweiz hat zum Beispiel gerade im Tschad sehr gute Hilfsprojekte zur Demokratisierung der Bevölkerung. Wenn eine Schweizer Firma nun zwei umstrittene Flugzeuge in dieses Land verkauft , ist das wie Salz ins Birchermüesli.

MA: Trotzdem: Solange weder UNO noch EU ein Embargo haben, nützt ein schweizerisches Exportverbot ja kaum etwas.

GM: Die Schweiz ist so gerne selbstständig und eigenständig. Warum will sie nicht auch hier selbstständig sein? Die UNO kommt mit ihren Embargos oft zu spät. Und bei der EU ist es beispielsweise im Fall von Tschad so: Verschiedene EU-Länder haben dort ganz klares Interesse an der Ausbeutung von Öl und wollen es deshalb mit der Regierung dort nicht verderben.

Zum Originalbericht gehts hier lang…–>

Ökologische und soziale Kriterien für Agrotreibstoff

Ökologische und soziale Kriterien für Agrotreibstoff

Die Grünen fordern einen effizienten und  sparsamen Umgang mit Energie.
Sie bevorzugen Treibstoffe aus Neben- oder Abfallprodukten und stellen ökologische und soziale Kriterien an Import und Produktion von Agrotreibstoffen.

Die geplante Produktionsanlage für Agrotreibstoffe der Firma Green Bio Fuel AG in Bad Zurzach wirft zahlreiche Fragen auf. So ist die Ökobilanz für Raps, welche immerhin 25% der geplanten Gesamtproduktion ausmacht, laut der kürzlich erschienenen EMPA-Studie “Ökologische Bewertung von Biotreibstoffen”1)  schlecht. Rapsöl steht in der Gesamtenergiebilanz sogar schlechter da als konventioneller Diesel.

Auch die Treibstoffherstellung aus der Frucht der afrikanischen Pflanze Jatropha– mit 75 % Hauptanteil der künftigen Produktion – lässt nach heutigem Wissensstand kaum auf eine nachhaltige Treibstoffproduktion schliessen. Zwar gedeiht laut Fachkreisen die dürre-tolerante und giftige Pflanze theoretisch auch auf ertragsschwachen Böden und soll  dabei auch nicht Flächen konkurrenzieren, welche für die Produktion von Nahrungsmitteln genutzt werden. Wie auch bei anderen Agrarrohstoffen ist absehbar, dass bei steigender Nachfrage, der Jatropha-Anbau mittels Bewässerung, Dünger- und Pestizideinsatz intensiviert werden wird.

Als treibende Kraft fungiert der Agrochemiehersteller Bayer CropScience, welcher Mittel zur Schädlings- und Krankheitsbekämpfung der Jatropha-Pflanze verkaufen möchte. Sollen afrikanische Bauern nicht die Zeche für unseren Treibstoffhunger bezahlen, müssen strenge ökologische und soziale Richtlinien eingehalten werden. Darüber war bisher bei Green Bio Fuel in Zurzach noch wenig zu erfahren.

Die EMPA-Analyse der aktuellen Techniken zeigt klar auf, dass das Potenzial von Biotreibstoff beschränkt ist. Ohne Einschränkungen vertretbar ist zur Zeit einzig die Verwertung von Neben- und Abfallprodukten der landwirtschaftlichen Produktion sowie von Holz. Ein konventionelles Auto mit Agrotreibstoff benötigt zudem 300 x mehr Fläche als ein mit Solarstrom angetriebenes Elektroauto. Während die Solarzellen auf bestehende Dächer montiert werden, konkurrenzieren Agrotreibstoffe Flächen zur Nahrungsmittelproduktion.

Nach Ansicht der Grünen (und der EMPA) führt darum kein Weg an konsequentem Energiesparen vorbei. Zudem fordern die Grünen Aargau, dass Rohstoffe zur Agrotreibstoffherstellung biologisch angebaut und, falls aus Ländern des Südens stammend, nach den Regeln des fairen Handels eingekauft werden.

Gerne stehen wir für Auskünfte zur Verfügung:

Geri Müller, Nationalrat, Präsident Schweizerische Energiestiftung  076 347 77 26
Martin Bossard, alt Grossrat, dipl. Ing. Agr. ETH  076 389 73 70
Lukas Spuhler, Vorstand Grüne Aargau  076 414 19 00

1) Quelle: http://www.bfe.admin.ch/energie/00588/00589/00644/index.html?lang=de&msg-id=12653

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